Ihre Stimme zählt! Kämpfen Sie mit uns! Bayerische Bündnisinitiative für einen sicheren Umgang im Transport von heimbeatmeten und technologieabhängigen Patienten

Die Fachmesse RettMobil 2016 in Fulda ist vorbei und wir gehen mit vielen Anregungen und guten Wünschen aus den Fachkreisen gestärkt in die neue Arbeitswoche. Rund 12.000 mal wurde das von uns veröffentlichte Video zum Thema Heimbeatmungstransport angeschaut und trotz – ausschließlich positiver Rückmeldungen auf der Messe – gibt es auch Kritiker über dieses System, welche anfangs eine andere Meinung vertreten. Wieder einmal hat sich gezeigt, wie wichtig der persönlicher Kontakt zur Rettungsszene ist, denn sie bildet die Basis für eine gute Zusammenarbeit ist, insbesondere um Projekte gemeinsam erfolgreich anzuschieben und umzusetzen. Die Zustimmung zur Implementierung der Heimbeatmungswagen hat uns gezeigt, wie wichtig dieses problembehaftete Thema im Rettungsdienst ist und das hierfür Lösungen gefunden werden müssen. Deswegen danken wir allen, die uns ermutigen an diesem Thema mit Hochdruck weiterzuarbeiten.

Den Kritikern möchte ich gern eines mit auf dem Weg geben: unsere Intention ist es nicht gegen den Rettungsdienst arbeiten, sondern gemeinsam mit allen Kollegen dafür zu kämpfen, dass diese spezielle Patientenklientel eine nachhaltige, vernünftige und lösungsorientierte Transportmöglichkeit erhält. Wir wollen weder Angst schüren, noch engagierte und hoch qualifizierte Mitarbeiter des Rettungsdienstes diskreditieren. Wir sind auch nicht besser oder schlechter wie andere – wir beleuchten das Problem vielleicht etwas anders. So mag man darüber unterschiedliche Ansichten haben, ob das Video nun geeignet ist oder nicht. Aber dessen inhaltliche Umsetzung ist zweifelsohne wichtig und dringend nötig. Somit bitte ich alle Rettungsdienstler und Pflegedienste sich mit uns zu verbünden und mit der Online-Petition für diejenigen zu kämpfen, die keine Lobby haben: Patienten der außerklinischen Intensivpflege.

Die Idee dieser Online-Petition stammt von einigen interessierten Besuchern auf der RettMobil 2016, die uns ermutigten, nicht aufzugeben und weiterzumachen. Die Besucher waren erstaunt und die Zustimmung auf allen Ebenen äußerst groß. Das Problem ist vielschichtiger als wir denken. So traten drei Tage lang Rettungsdienstmitarbeiter, Notärzte und Führungskräfte großer Hilfsorganisationen und Kommunen an uns heran und baten uns, sich nicht kleinkriegen zu lassen. Wir haben viele Einladungen erhalten um aufzuklären – wir kommen gern und freuen uns auf den Dialog.

Bevor wir mit unserer Geschichte des neuen Einsatzmittels HBT beginnen, möchten wir hier die Ziele auflisten, die es uns insbesondere geht:

  • Erstellung eines Anforderungsprofils hinsichtlich der Qualität im Rettungsdienst zur Durchführung von Transporten heimbeatmeter Patienten.

  • Aufnahme des Einsatzmittels in die Landesrettungsdienstgesetze einem wachsenden Markt durch 4-5 Standorten pro Bundesland (analog ITW) und gemeinsame Leitstellenkoordination und Vergabe planbarer Krankentransporte von heimbeatmeten Patienten.

  • Ausschreibung der Standorte im offenen Wettbewerb an alle Durchführenden Leistungserbringer der Notfallrettung und des Krankentransportes und somit Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Rettungsdienst

Alle nachfolgenden Informationen basieren auf Tatsachen und sind inhaltlich Bestandteil diverser Verwaltungsgerichtsverfahren. Sie sind wissenschaftlich fundiert, ausgewertet und gutachterlich beschieden. Sie orientieren sich an geltenden Leitlinien, Gesetzen und Verordnungen und sind faktisch unausweichlich.

Hier kommt unsere ganz eigene Geschichte….

Der Heimbeatmungstransportwagen HBT –

Überflüssig oder sinnvoll?

Zurzeit werden in Deutschland rund 55.000 planbare Einsatztransporte unter Heimbeatmung durchgeführt. Die jährliche Zuwachsrate beträgt aktuell 21 %. Somit werden uns jedes Jahr weitere 11.000 Einsätze begegnen. All dies sind planbare Krankentransporte, nicht integriert sind hier die notfallmäßigen Einsätze, die auch weiterhin in der Hand des Regel-Rettungsdienstes verbleiben sollen. Deutschland hat seit jeher ein weltweit geachtetes, innovatives und hochwirksames Rettungsdienstsystem implementiert. Wann immer die Zahl von Sonderfällen zugenommen hat, schlug die Zeit von ganz besonderen Einsatzmitteln. So erinnern wir an die Einführung von Funkgeräten, flächendeckenden Rettungswagen in den sechziger Jahren, die Einführung von NAW oder NEF im Rendezvoussystem, die Implementierung der Luftrettung, die ersten Baby-NAW, die Einführung des Interhospitaltransfers / ITW, Ambulanzhubschrauber, Kinder-NEF und ECMO-Mobile. Alle Initiatoren der oben genannten Systeme hatten eines gemeinsam: Sie waren Pioniere und sahen sich stets harter Kritik ausgesetzt – damals wollte niemand etwas von den aufgeführten Neuerungen wissen. Man war der Meinung, dass man ausreichend gewappnet sei. Heute ist nichts mehr von alledem aus der modernen Rettungsmedizin wegzudenken. Wir zweifeln nicht an der Kompetenz der Rettungsdienste die täglich 1000fach Menschenleben retten. Niemand stellt den routinierten Umgang mit Notfallbeatmung durch Rettungsassistenten in Frage. Der Umgang mit Heimbeatmungspatienten und intensivpflege(!)bedürftiger aber - nicht intensivpflichtiger Menschen stellt sich allerdings viel komplexer dar, als den allermeisten Kollegen bekannt sein dürfte.

Betrachten und beurteilen Sie die Situation ganzheitlich aus rettungsdienstlicher, pflegefachlicher, ärztlicher, juristischer und medizin- bzw. sicherheitstechnischer Sicht. Nehmen Sie sich die Zeit und reflektieren Sie selbst einmal die bereits erlebten Einsätze.

Wie alles begann…

Wir sind ein Unternehmen der außerklinischen Intensiv-und Beatmungsfachpflege. Unsere beruflichen Wurzeln der Führungsebene liegen sowohl im Bereich der klinischen Intensivmedizin als auch der präklinischen Notfallmedizin. Es liegt in der Natur der Sache, dass Beatmungspatienten regelmäßig mehrmals pro Jahr klinisch stationär aufgenommen werden müssen. In der Vergangenheit begleiteten wir unsere Patienten regelmäßig als Pflegekräfte mit dem RTW und stellten fest, dass der wirklich routinierte Umgang mit Patienten der Heimbeatmung auch bei hoch engagierten und motivierten Rettungsfachpersonal sich nicht einstellen kann, weil diese Art der Transporte - obwohl deutlich zunehmend - noch immer die Ausnahme darstellen. Wir haben dann eine Umfrage erstellt, und bayerische Pflegedienste die insgesamt rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigen interviewt, welche Erfahrungen sie der Transport ihrer Patienten gemacht haben. Evaluiert wurden 630 Einsätze in Bayern im Jahr 2013.

Die Ergebnisse:

Erkennbarer Mangel

Häufigkeit

Mangelhafte / Unzureichende Ladungssicherung der Beatmungsgeräte

84%

Fehlende Aktivbefeuchtung

98%

Stromzufuhr nicht gewährleistet, Hilfe auf Autobahnraststätten durch Aufladen der Akkus

67%

Hustenassistenten nicht anwendbar

100%

Transportbegleitung durch Pflegekraft von RD gefordert

82%

Patienteneigentechnik unvollständig mitgenommen

70%

Transportdurchführung ohne Notarzt verweigert

53%

Mangelhafte MPG Einweisung auf Heimbeatmungsgeräte

100%

Aspirationen durch unsachgemäßen Umgang mit Aktivbefeuchter

7%

Adaption auf Beatmungsgerät des RD durch NA

49%

 

Nachdem wir auf diversen Fachkongressen der außerklinischen Intensivpflege mit diesem Thema stärker konfrontiert wurden und es hierzu nahezu auf jedem Kongress unserer Fachwelt bundesweit Workshops gibt, nahmen wir uns vor, zukünftig mit einem eigenen Fahrzeug unserer eigenen Patienten zu transportieren und alternative Lösungen zu suchen. Wir konzipierten einen KTW, der sowohl technisch als auch personell in der Lage war, unsere Patienten fachgerecht zu transportieren. Wir erhielten eine Genehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetzes und konnten somit unsere Patienten eigenständig transportieren. Notfallereignisse überließen und überlassen wir noch heute stets dem Rettungsdienst. Wir hatten unsere Probleme so weit gelöst, allerdings wurden andere Pflegedienste auf uns aufmerksam. Wir wandten uns an das bayerische Staatsministerium des Innern und baten um einen Gesprächstermin um die Sachlage zu erörtern und gemeinsam zu überlegen inwieweit es Sinn machen würde mit einem Modellprojekt die Situation auszuwerten und bei positivem Ausgang zu multiplizieren oder einer öffentlich-rechtlichen Ausschreibung zuzuführen. Unsere Bitte nach einem Gespräch wurde abgelehnt, man sieht keine Möglichkeit eine Krankentransportgenehmigung beschränkt auf einen speziellen Patientenbereich - nämlich den der Heimbeatmungspatienten – zu erteilen. Im Zuge des schriftlichen Dialoges mussten wir immer mehr die Erkenntnis gewinnen, dass es offensichtlich mehr und mehr darum ging, einen neuen Anbieter von vornherein nicht zum Zug kommen zulassen. Die von uns angeführten Probleme seien lediglich Einzelfälle. Mittlerweile kamen immer mehr Pflegedienste hinzu, und auch die Zahl der Anrufe von Fachkliniken steigerten sich. Es waren keine Einzelfälle; es war tatsächlich die Regel dass die Transporte nicht so durchgeführt werden konnten wie es dem heutigen Stand der Technik entspricht. Heute betreiben wir 5 Sonderfahrzeuge für Heimbeatmungspatienten und sind bundesweit für Spezialkliniken und Pflegedienste unterwegs. Jetzt war es klar – mit reinen Gesprächen kommen wir nicht weiter. Es mußte geklagt werden und hierzu brauchten wir Gutachten, welche die Lage beurteilen und analysieren.

Wir wandten uns an einen Gutachter und Sachverständigen Dipl.-Ing., welcher ständiges Mitglied im Normenausschuss für Rettungsdienst in Berlin ist und gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft für Verkehr und dem VDSI für die Sicherheit, Gesundheit und dem Arbeitsschutz im Rettungsdienst zuständig ist. Gleichzeitig wandten wir uns an diverse Fachmediziner und Chefärzte, welche als Mitglieder der DIGAB (Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für Außerklinische Beatmung) eng mit dem in diversen Beatmungszentren tätig sind und baten um Erstellung zweier Gutachten. Fachärztlich und technisch. Herausgekommen ist ein 185 Seiten umfassendes  „Medizin- und sicherheitstechnisches Gutachten über den Transport von technologieabhängigen Patienten in Bayern“. Hier gibt es in einer Beurteilung hinsichtlich der derzeitig in Bayern umgesetzten Verfahrensanweisung folgende Hinweise:

Auszug aus Gutachten…() „Die dreiseitige bebilderte Verfahrensanweisungen des Bayerischen Roten Kreuzes, Abteilung Rettungsdienst zur sicheren Mitnahme von Heimbeatmungsgeräten sowie das siebenseitige bebilderte Transportprotokoll vom 18. Mai 2015 machten deutlich, dass die im Schreiben vom 25.4.2014 des bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr des Sachgebietes ID3 festgelegten Maßnahmen zum Rettungsdienst für den Transport heimbeatmeter Patienten nicht nur nicht umgesetzt worden sind, sondern dass diese Teillösungen sogar gefährlich für die Patienten und das Rettungspersonal ist und damit inadäquat sind. Ebenso steht diese Verfahrensanweisungen im Widerspruch zum Rundschreiben Nummer 01/15 des Bayerischen Roten Kreuzes Landesgeschäftsstelle Bayern hinsichtlich Unterlassung nachträglicher Veränderungen an zentral beschafften Rettungsdienste und insbesondere der elektrischen Anlage der Fahrzeuge. Der  Einsatz eines externen Inverters, der an das vorhandene Bordnetz angeschlossen wird, stellt eine unzulässige Veränderung der elektrischen Anlage des Fahrzeuges dar.“

Im Rahmen der erweiterten Betrachtung haben wir allerdings festgestellt, dass die Probleme sich nicht nur auf Bayern begrenzen, sondern länderübergreifend auftreten.

Noch immer werden Beatmungsgeräte ungesichert im Krankentransport von A nach B gefahren. Zwar gibt es die eine oder andere Multifunktionsgerätehalterung welche auch nach DIN 1789 zugelassen ist, jedoch passieren massive Anwenderfehler. Unklar ist, in wieweit sich das fehlende CE Zeichen negativ auf die Inbetriebnahme als Medizinprodukt auswirken wird.

Nach wie vor werden dem Patienten lebenswichtige Geräte vorenthalten, da diese nicht bekannt sind oder weder betrieben, noch verlastet werden können. Transportrollstühle bleiben in Kliniken aus Platzmangel stehen und Pflegedienste erhalten keine Refinanzierung. Auf all dieses gehen wir im Nachgang detailiert ein.

Nachfolgend Einblick in die Verfahrenspraxis die im Übrigen auch bis heute noch praktiziert wird und einen Querschnitt durch die gesamte Transportdurchführung zeigt.

Transport eines Patienten ohne Ladungssicherung und Stromver-sorgung, bei schwachem Akku. Akku wurde später in der Klinik ausgetauscht. Transport eines Patienten ohne Ladungssicherung und Stromversorgung, bei schwachem Akku. Akku wurde später in der Klinik ausgetauscht.
Befestigung an der Trage während der Fahrt (unzulässig), Überschreitung der Tragfähigkeit, Gewichtsgrenze von 6 KG an der Trage, keine Stromversorgung, Taschen ungesichert, Patiententragestuhl darf so lt. Gutachten nicht verwendet werden. Befestigung an der Trage während der Fahrt (unzulässig), Überschreitung der Tragfähigkeit, Gewichtsgrenze von 6 KG an der Trage, keine Stromversorgung, Taschen ungesichert, Patiententragestuhl darf so lt. Gutachten nicht verwendet werden.
Verlastung an der Patientenstabilisierung der Fahrtrage mittels Patientengurt. Der Patient blieb während der Fahrt ungesichert, das Beatmungsgerät neigte sich während der Fahrt um Vibrationen bis zu 45°. Verlastung an der Patientenstabilisierung der Fahrtrage mittels Patientengurt. Der Patient blieb während der Fahrt ungesichert, das Beatmungsgerät neigte sich während der Fahrt um Vibrationen bis zu 45°.
Anwendungsfehler durch abgeknickten O² Schlauch, Anschlußhülse bricht bei Schlagloch. Anwendungsfehler durch abgeknickten O² Schlauch, Anschlußhülse bricht bei Schlagloch.
Multifunktionshalterung fehlerhaft benutzt, Gerät nicht ausreichend gesichert. Multifunktionshalterung fehlerhaft benutzt, Gerät nicht ausreichend gesichert.
Gerät bleibt nach abgeknicktem 0²-Schlauch ungesichert auf Multifunktionshalter Gerät bleibt nach abgeknicktem 0²-Schlauch ungesichert auf Multifunktionshalter
Mit zweistündiger Verspätung wird die Multifunktionshalterung geliefert, erst dann bemerkt die Besatzung, dass man sie nirgends sichern kann. Fixierung mit dem Anschnallgurt… Mit zweistündiger Verspätung wird die Multifunktionshalterung geliefert, erst dann bemerkt die Besatzung, dass man sie nirgends sichern kann. Fixierung mit dem Anschnallgurt…
Langstrecke ohne Dislokationsschutz der Trachealkanüle, Personal verfügt nicht über Ersatzkanüle im KTW Langstrecke ohne Dislokationsschutz der Trachealkanüle, Personal verfügt nicht über Ersatzkanüle im KTW
Der Betrieb mehrer Geräte gleichzeitig erfordert bis zu 600 Watt. Der mitgeführte Wechselrichter leistet 180 Watt. Die Stromzuführung ist nicht gewährleistet. Das KFZ-Sicherungssystem und die verbauten Kabelquer-schnitte im KTW sind nicht ausreichend. Es besteht die Möglichkeit, dass das Bordnetz ausfällt und Schaden nimmt. Der Betrieb mehrer Geräte gleichzeitig erfordert bis zu 600 Watt. Der mitgeführte Wechselrichter leistet 180 Watt. Die Stromzuführung ist nicht gewährleistet. Das KFZ-Sicherungssystem und die verbauten Kabelquerschnitte im KTW sind nicht ausreichend. Es besteht die Möglichkeit, dass das Bordnetz ausfällt und Schaden nimmt.
Aus einem anderen Bundesland bekamen wir dieses Bild…..Beatmungsgerät und Aktivbefeuchterkammer zwi-schen Medumat am Boden eingeklemmt. Aus einem anderen Bundesland bekamen wir dieses Bild…..Beatmungsgerät und Aktivbefeuchterkammer zwischen Medumat am Boden eingeklemmt.

Das Gutachten förderte zu Tage, das ist zwingend notwendig sei, im Rahmen des Normenausschusses Rettungsdienst sich für eine eigenständige, jedoch mindestens ergänzende Norm für Einsatzmittel, welche Heimbeatmungspatienten transportieren, einzusetzen.

Das Gutachten beschäftigt sich aber mit vielen verschiedenen Aspekten, auf die wir gerne näher eingehen möchten. Fakt ist, dass jeder der ein Medizinprodukt anwendet und betreibt entsprechend der geltenden Rechtsprechung eingewiesen sein muss. Auf jeder längeren Fahrtstrecke wird bei den meisten muskeldystrophierten Patienten ein Eingriff in das Beatmungsmanagement nötig sein. Spätestens jetzt muss das Rettungsdienstpersonal entsprechend ausgebildet sein. Bei derzeit rund 40 am Markt befindlichen und unterschiedlichen Beatmungsgeräten ist eine routinierte Anwendungsicherheit und flächendeckende Einweisung nicht mehr möglich. Das MPG sieht hier empfindliche Strafen, bis hin zur Freiheitsstrafe vor, sofern es zu Patientenschäden kommt und der Betreiber dies fahrlässig in Kauf nimmt.

Der Pflegedienst muss begleiten…

Mit diesem Argument sollen die Pflegekräfte angehalten werden die Transporte entsprechend zu begleiten. Entgegen der von der zuständigen Politik in Verfahrensanweisungen mitgeteilten getroffenen Entgeltregelung gibt es keinen einheitlichen Gebührensatz der Kostenträger, welcher  den Personalkostenaufwand der Fachdienste adäquat entlohnt. Vielmehr ist ein Einzelfallgenehmigungsverfahren einzuleiten, welches mehrere Tage Zeit in Anspruch nimmt und somit gar nicht rechtzeitig aufgenommen werden kann. Die Anreise zu einem Beatmungszentrum zwecks Transportbegleitung bzw. die Rückreise nach einer Klinikeinweisung mit öffentlichen Personennahverkehr werden durch die Kostenträger nicht reguliert, der Rettungsdienst ist nicht verpflichtet die Pflegekraft an ihren Ausgangsort zurück zu bringen. Dies stellt vor allem für die überwiegend weiblichen Mitarbeiter der Pflegedienste eine Zumutung dar, die mitten in der Nacht von einer Fachklinik teilweise 100 Kilometer und mehr zurücklegen müssen, da der Rettungsdienst verständlicherweise nicht warten kann, bis die langanhaltende Übergabe und das Providerhandling mit den Medizintechnikern in der Klinik abgeschlossen ist. So haben wir im Jahr 2013 insgesamt 7.780,-- Euro Arbeitszeit und rund 2.130 Euro Fahrtkosten mit Taxi, Bahn und Bus nicht zurückerstattet bekommen. Ein Pflegedienst ist darüber hinaus angehalten, sich per Versorgungsvertrag an den festgelegten Stellenschlüssel zu orientieren, so dass der Rettungsdienst nicht davon ausgehen kann, dass bei sehr kurzer Vorlaufzeit permanent Personal aus dem laufenden Dienstbetrieb als Support dem Rettungsdienst Verfügung gestellt werden kann. Begleitet ein Pflegedienst zum Beispiel den Transport eines Patienten einer  Wohngemeinschaft für Intensivpflege oder einer stationären Einrichtung ohne die Personalabwesenheit zu ergänzen, so begeht er Leistungsbetrug. Es gilt dabei festzuhalten, dass die Leistungsverpflichtung der Krankenkassen bei Übergabe an den Rettungsdienst endet, denn eine Doppelfinanzierung schließt das SGB schlichtweg aus.

Ergänzende Medizintechnik….

Welche Patienten sind nun überwiegend heimbeatmet? Eine erhebliche Anzahl weist schwere muskuläre Erkrankungen auf. Hier sind die Muskeldystrophie genauso zu nennen, wie die ALS oder der hohe Querschnitt. All diese Patienten sind nicht in der Lage eigenständig abzuhusten. Löst sich also auf Langstreckenfahrten intrapulmonales Sekret, so kann dieses nicht nach oben befördert und abgehustet werden. In der Folge schafft das Heimbeatmungsgerät es nicht mehr, den Patienten adäquat zu beatmen. Mit dem üblichen im Rettungsdienst vorgehaltenen Absauggeräten ist es nicht ausreichend möglich, für einen freien Beatmungszugang zu sorgen. Ein Hustenassistent ist hier das einzige Mittel der Wahl, um den Patienten pulmonale Entlastung zu gewähren. Auch dieser muss während der Fahrt mit 230 V betrieben werden. Das geschilderte Problem ergibt sich nicht auf kurzen Strecken, sondern auf Langstreckenverlegungen wie Entlassungs- oder Einweisungsfahrten in die Beatmungszentren. Hier kann das Nichtvorhandensein eines an den Cough-Assistenten gewöhnten Beatmungspatienten zu erheblichen Beatmungskomplikationen führen. Gleiches gilt für einen Aktivbefeuchter. Dieser wird ebenfalls mit 230 V betrieben und ermöglicht als zusätzliches Gerät ein physiologisches Atemgasklima. Wird dieses Gerät auf langen Strecken vorenthalten, kann dies im weiteren Verlauf des Transportes Folgeerkrankungen, wie z.B. zum Beispiel eine Lungenentzündung nach sich ziehen. Pädiatrische Patienten, deren Lumen der Trachealkanüle recht klein ist, benötigen im Anschluss oftmals einen Trachealkanülenwechsel, da diese vollkommen verborkt sind. Es ist aber momentan nicht möglich bei der überwiegenden Zahl der Rettungsmittel die gesamte Patienteneigentechnik zeitgleich zu betreiben, da die technischen Voraussetzungen weder für den Betrieb noch für die sichere Verlastung der Geräte gegeben ist. Darüber hinaus mussten wir auch feststellen, dass oftmals der Platz in den Rettungsfahrzeuge nicht ausreichend ist, um die zur Mobilität der Patienten zwingend benötigten Therapierollstühle mitzunehmen. Dies hatte immer zur Folge dass der Pflegedienst hinterher fahren muss oder die Medizintechnikprovider sowie Zustellung der Technik kümmern müssen. Ein sehr unwirtschaftliches Procedere, welches niemand der Beteiligten bezahlt bekommt.

Das Wirtschaftlichkeitsgebot…..RTW? ITW? Oder doch lieber HBT?

Immer wieder hören wir, dass ein beatmeter Patient nur unter Begleitung eines Notarztes zu transportieren sei. Dies mag zwar für den beatmeten Patienten im akuten Notfall zutreffen, für den heimbeatmeten Patienten, welcher an einer chronischen respiratorischen Erkrankung leidet, ist dies jedoch völlig unnötig. Viele intensivpflegebedürftiger Patienten stehen unter Heimbeatmung mitten im Leben. Sie haben einen Teilhabeanspruch. Sie besuchen Konzerte, gehen zur Arbeitsstelle und beatmete Kinder besuchen die Schule. Würden die Intensivpflegedienste tatsächlich alle Beatmungspatienten nur mit Notarztbegleitung oder dem ITW die Teilhabe am Leben ermöglichen, so gäbe es in Deutschland gerade bei den Schulbesuchen den ein oder anderen SEG-Alarm mehr. Wie sonst sollte man 8 Kinder gleichzeitig unter Beatmung morgens pünktlich zur Schule bringen und mittags wieder abholen? Einen Rettungswagen, welche für Notfälle und Daseinsfürsorge der Bevölkerung zur Verfügung steht, dem Rettungssystem zu entziehen, um vitalstabile Patienten zu transportieren ist nicht nur gefährlich für die Gesellschaft sondern vollkommen unnötig. Einen teuren ITW für planbare Fahrten aus dem Beatmungszentren in die Häuslichkeit oder zwecks Klinikeinweisung zu blockieren, spricht gegen jedes Wirtschaftlichkeitsgebot. Dazu kommt die Tatsache, dass auch bei ITW/RTW das Problem der Geräteschulung ungelöst bleibt.

Der Patient kommt dann einfach an das Beatmungsgerät des Rettungsdienstes…

Hier geben wir einfach mal einen Einblick in die fachärztlichen Aussagen, die uns während unseres Weges und der Klageverfahren begleiten.

Auszug aus dem pulmologischen Gutachten…() „Grundsätzlich kann jeder intensivpflegebedürftige und invasive beatmete Patient über eine Trachealkanüle mit einem beliebigen Beatmungsgerät künstlich beatmet werden. Die allgemein im Rettungsdienst verwendeten Geräte sind in ihrer technischen Philosophie auf die Notfallbehandlung von kritischen Patienten einerseits und auf eine robuste Technik unter erschwerten Bedingungen andererseits sowie auf Handlichkeit ausgelegt. Sie enthalten keine elektrisch angetriebenen Pumpen- oder Turbinensysteme, sondern werden mitunter unter Druck stehenden Sauerstoff (mindestens 5 bar Betriebsdruck) energetisch betrieben. Damit genügen sie den Anforderungen für die Beatmung von Patienten mit einer akut eingetretenen Atemnot oder für den Transport von einer Intensivstation in eine andere mit höherer Versorgungsstufe bei extrem geschädigter Lungenfunktion. Die Anpassung des Patienten an die Beatmung erfordert diesen Fällen eine medikamentöse Ruhigstellung. Da der Luftdruck zur Sicherstellung einer ausreichenden Sauerstoffaufnahme durch eine schwer erkrankte Lunge in einem Bereich liegt, den einfacher Menschen nicht toleriert, ohne gegen anzupreisen, muss die Ruhigstellung unter Umständen zum künstlichen Koma durchgeführt werden, um Schaden für eine unzureichende Anpassung an das Beatmungsgerätes vom Patienten fernzuhalten.

Gänzlich anders ist die Situation beim schon über einen längeren Zeitraum in häuslicher Umgebung beatmeten Patienten. Der Gerätetyp und die Beatmungseinstellung wurden in einer akut-oder Rehaklinik individuell den Bedürfnissen des Betroffenen angepasst. Die Betroffenen atmen nicht gegen die Maschine an, zumal der Luftdruck auch in einem tolerabel im Bereich liegt. Technisch sind die genannten Transportbeatmungsgeräte auch in der Lage, die meisten - keineswegs alle - Beatmungsformen, die ein Heimbeatmungsgerät leistet, zu liefern. Jedoch nicht in der Feinabstimmung. Selbst kleinste Veränderungen an der Beatmungseinstellung oder der notwendige Wechsel von einem auf ein anderes Gerät (zum Beispiel wegen Auslauf des technischen Support bei veralteten Geräten) erfordert bei den meisten Patienten eine längere Umstellungsphase, da bei vielen das Wissen über die existenzielle Relevanz der regelmäßig zu erfolgenden Luftgabe sehr präsent ist. Veränderungen schaffen hier Primärängste und Verunsicherung. Dieses Problem ließe sich lösen, indem der Transport eines heimbeatmeten unter Ruhigstellung und Narkoseeinleitung erfolgt. Damit ist die Adaption an jedes Beatmungsgerätes möglich. Wie eingangs formuliert, dies aber nicht wie oben beschrieben unter den Bedingungen eines medizinischen Notfalls geschähe, bedürfe es der Einwilligung des Betroffenen oder seiner gesetzlichen Vertretung.  Diese Einwilligung dürfte wegen der mit dem künstlichen Koma verbundenen Risiken in der Regel nicht vorliegen. Nicht unerwähnt bleiben soll der Umstand, dass die genannten Transportbeatmungsgeräte mit unter Druck stehenden Sauerstoff betrieben werden, der durch Ansaugen (Venturi-Prinzip) auf minimal 40 % Sauerstoffkonzentration gesenkt werden kann. Für die Sauerstofftherapie eines Menschen mit einer gesunden Lungenstruktur besteht keine Indikation. In bestimmten Konstellationen ist eine dem Atemantrieb hemmende Wirkung durch Sauerstoffgabe möglich.“

Darüber hinaus möchten wir einen Hinweis auf die S2 Leitlinie, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. geben. Diese Leitlinie beschäftigt sich mit der nicht invasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz, also der Heimbeatmung. Sie heißt es unter Punkt 5.4., Wechsel von Beatmungsgerät und Zugang:

„Der Austausch baugleicher Beatmungsgerätes unter Beibehaltung aller Parameter kann außerklinischen erfolgen. Unterschiedliche Geräte desselben Herstellers sind jedoch nicht gleichwertig und müssen daher im Rahmen einer stationären Aufenthaltes in einem Beatmungszentrum gegeneinander ausgetauscht werden. Der Wechsel auf andere Trachealkanülenmodelle und Beatmungsmasken kann die Qualität der Beatmung erheblich beeinflussen und darf daher nur in Zusammenarbeit mit einem Beatmungszentrum, gegebenenfalls stationär durchgeführt werden. Erfolgt bei Trachealkanülen ein Modellwechsel ist eine bronchoskopische Kontrolle anzustreben.“

Mietwagen, Krankenwagen, Sondersignal…. Und was sagen die Gerichte?

Derzeitig sind in verschiedenen Bundesländern Verfahren anhängig, um neben der üblichen Mietwagengenehmigung auch einen Zugang zum Krankentransport zu erhalten. Wir möchten zunächst festhalten, dass der Transport von Menschen mit chronischer Behinderung – und die Langzeitbeatmung ist eine Form der chronischen Behinderung - zunächst einmal nicht in den Bereich der Landesrettungsdienstgesetze fällt und somit durch diese auch nicht geregelt werden kann. Pflegefachpersonal ist kein medizinisches Hilfspersonal im Sinne der Rettungsdienstgesetze. Wenn aber nun Heimbeatmungspatienten tatsächlich medizinische Betreuung während der Fahrt benötigen, dann sollten sie auch die Möglichkeit haben, fachkompetent betreut zu werden. Jede andere Sichtweise wurde diese Personengruppe von einer adäquaten Transportversorgung auskoppeln. Dies gilt jedoch nur, wenn neben der rettungsdienstlichen Qualifikation des Personals zusätzlich auch die fachpflegerische Qualifikation analog der S2 Leitlinie gegeben ist und eine Genehmigung zur Durchführung des qualifizierten Krankentransportes vorliegt. Da der Rettungsdienst zum derzeitigen Zeitpunkt aber nicht in der Lage ist, den technischen und personellen Anforderungen vollumfänglich gerecht zu werden, gibt es auch keinen Anlass die Einführung von Modellprojekten welche dem heutigen Stand der Technik gerecht werden zu verhindern. Zahlreiche Leitstelle, auch aus anderen Bundesländern, beauftragen uns derzeit zur Durchführung von Heimbeatmungstransporten. Mehr als 2.800 Einsätze unter Heimbeatmung konnten wir seit 2014 bundesweit durchführen, die Zahl wächst stetig weiter an. Viele dieser Einsätze werden von Organisationen unter Sonderrechten gefahren, die unser Fahrzeug mieten – teilweise mit Personal. Zum zweiten ist eine Begutachtung als Fahrzeug des Rettungsdienstes unter der DIN 1789 zur Teilnahme am Rettungsdienst nicht ohne den Verbau der Sondersignalanlage statthaft.

In einem Verwaltungsgerichtsverfahren vor dem VG Gelsenkirchen ergab die gerichtliche Mediation eine Schließung des Verfahrens in der Hauptsache, die Gegenpartei ist angehalten den ablehnenden Bescheid aufzuheben und neu zu bescheiden. Die anhängigen Verfahren in Bayern werden im Sommer weiterverhandelt. Bislang konnten die Inhalte der Sachverständigengutachten von keinem Gegengutachten widerlegt werden. Ein gegen uns eingeleitetes Ordnungswidrigkeitsverfahren, angestrebt durch eine Leistungserbringer des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes und durch den Rettungszweckverband Allgäu verfolgt, endete mit einem Freispruch, nachdem die Staatsanwaltschaft sich ein Jahr lang zierte, das Verfahren überhaupt zu eröffnen. Warum aber wehrt sich der Freistaat Bayern so massiv gegen eine Verbesserung des Rettungsdienstes? Es gibt nicht einen Grund, ein gesellschaftlich wichtiges Thema, welches nicht die Spur einer Sinnlosigkeit darstellt nachhaltig zu boykottieren. Ja, es ist richtig: wer Krankentransport betreiben will, der braucht eine Genehmigung. Eine Sonderlösung ist in Bayern für uns nicht vorgesehen. Wer uns aber streng nach dieser Rechtsauslegung beurteilt, den fragen wir, auf welcher Rechtsgrundlage werden in Bayern Baby-NAW eingesetzt? Nach welcher Rechtsgrundlage Kinder-NEF? Nach welcher Rechtsgrundlage der klinische Hintergrundoberarzt mit Blaulicht-PKW in Erlangen? Das ECMO-Mobil in Regensburg, die Schwerlast-RTW…..All diese Fahrzeuge sind wichtig und richtig und haben bei Ihrer Inbetriebnahme mit uns jedoch eines gemeinsam….sie stehen nicht im Gesetz und sind trotz der Bedeutsamkeit nicht genehmigungsfähig. Hier wird also offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. Weshalb also den HBT untersagen?

Unsere Botschaft ist klar: es wird möglich sein, durch die dezentrale Stationierung von Sonderfahrzeugen der Heimbeatmung das Fachpersonal zu schulen, den Rettungsdienst zu entlasten, wirtschaftlich zu arbeiten und den Patienten die Sicherheit und das Vertrauen entgegenzubringen, was sie verdienen. Geben Sie uns Ihre Stimme, unterstützen Sie unsere Idee und werden Sie somit Mitinitiator um ein neues Einsatzmittel zu schaffen.

Vielen Dank
Ihr Peter Schroeter